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Rabbi Ovadia Jossef, das spirituelle Oberhaupt der Shas-Partei – 2009 erhielt sie rund 8.5 Prozent der Stimmen -, ist bekannt für manch gestrenges Urteil. Das weltlich ausgerichtete Schulsystem Israels beispielsweise sei, so der 1920 in Bagdad Geborene, von “Narren, die sich wie Tiere benehmen” erdacht worden.

Nun hat Rabbi Ovadia Josef mit der ihm eigenen Offenheit Feinden Israels eine göttliche Strafe gewünscht.

Und während etwa SPIEGEL online es nicht meldenswert findet, trauert der “Palästinenserpräsident” Abu Mazen öffentlich um einen verstorbenen Drahtzieher eines terroristischen Mordanschlags auf israelische Sportler – was nicht folgenlos bleibt -, hat das Portal in Ovadia Jossef nun einen Weisen von Zion“mächtigen Rabbi” entdeckt.

Ein Gastkommentar von G.L.

“Mächtiger Rebbe” bei SPON gesichtet

Spiegel online – immer für eine anti-semitische “israelkritische” Überraschung gut – hat den Menschenzoo des deutschen moralischen Herrenmenschentums gemeinen Bildungsbürgers und Meinungsmachers um eine ganz besondere Attraktion bereichert: den “mächtigen Rabbi”.

Von dem weiß eine echt spiegelmäßige Überschrift, er habe “allen Palästinensern die ‘Pest’ (ge)wünscht.

Wahrscheinlich hat man weder Kosten noch Mühen gescheut, um an diese Sensation zu kommen, und Ulrike Putz kann sich endlich was Warmes zum Anziehen kaufen, denn die Winter in Jerusalem sind ja bekanntlich recht kühl.

Aber es gibt auch einen Wermutstropfen. Mit ihrer ungemein typischen Überschrift hat die SPON-Journaille erneut die Chance vertan, echt anti-semitische pardon: echt deutsche Chuzpah zu zeigen.

Hätten sie bei SPON statt vom “mächtigen Rabbi” von einem mächtigen Hexenmeister geschrieben, wäre mit dieser Formulierung die Vorstellung, die man sich im Haus an der Brandstwiete von den Juden im allgemeinen und vom Rabbiner im besonderen macht, bestimmt viel genauer getroffen gewesen.

Übrigens halte ich es für ein Gerücht, dass Greta Berlin und unsere liebe Edith schon mal ihre Aliberts nach abgelaufenen Ohrentropfen und sonstigen unnützen Kinkerlitzchen durchwühlen – falls von ihren geliebten Mördern und Terroristen Verzweifelungstätern der eine oder die andere tatsächlich krank zu werden droht.

Gemeint ist mit dieser SPON-Überschrift, die danach schreit, noch mehr Tarrantino- oder Disney-Filme – oder besser gleich palästinensisches Kinderfernsehen – zu gucken, bis der Unterschied zwischen Dichtung und Wahrheit obsolet zu werden beginnt, weil sich die Großhirnrinde auflöst, äh… gemeint ist: Rev Ovadia Yosef, der geistige Vordenker der Shas-Partei.

Über dessen “Mächtigkeit” gibt das Ergebnis der letzten Knesset-Wahl sehr genau Auskunft: 8,5%. Aber was die deutsche Journaille sich niemals vorwerfen lässt, ist ein funktionierender Bezug zur Wirklichkeit.

Mithin hat der “mächtige Rabbi” deutlich weniger Macht als die “Grünen” oder die “Links”-Partei im Deutschen Bundestag, zu dem man trotz der Einstimmigkeit seiner Beschlüsse, wenn es um “die Juden” Israel geht, doch noch nicht wieder Krull-Oper sagen darf.

Aber keine Sorge, liebe Märchenonkel und -tanten von SPON et al.: Angesichts der gegenwärtigen Entwicklung kann’s nicht mehr lange dauern, und Sie können endlich wieder auch ganz ernsthaft von der zionistischen Weltverschwörung schreiben. Die alten Manuskripte von Horst Mahnke und Augsteins anderen dicken Freunden liegen bestimmt sicher im Nationalarchiv verwahrt.

Am Tag danach, da doch tatsächlich kaum eine Frage mehr offen ist, kommt Ulrike Putz daher und muß sich ihre Voreingenommenheit, die sie als Ahnungslosigkeit tarnt, von der geplagten Seele schreiben:

“Wollten israelische Soldaten wirklich nur einen Baum fällen? Wer schoss zuerst, und welche Rolle spielte ein schiitischer Kommandeur? Einen Tag nach dem Feuergefecht an der israelisch-libanesischen Grenze sind viele Fragen ungeklärt.”

Schon die erste “offene” Frage der SPIEGEL online-Autorin offenbart, daß für sie einfach nicht sein darf, was nicht sein soll. Israel hatte bei der UNIFIL angekündigt, einen Baum in Israel fällen zu wollen. Die UN-Blauhelme informierten darüber die libanesische Armee, die auf ihre Weise sich darauf vorbereitete.

Auf beiden Seiten waren denn auch UNIFIL-Angehörige anwesend, wobei die Rolle jener Blauhelme, die auf libanesischer Seite nichts unternahmen, den Angriff auf israelisches Territorium zu verhindern, in der Tat hinterfragt werden muß. Doch diese Frage gehört nicht ins Repertoire der Ulrike Putz.

Sie unterstellt, Belege kann sie dafür nicht liefern, Israel mit ihrer Frage, es hätte gestern noch weitere Ziele verfolgt. Welche das sein könnten, zeigt ihre anrührende Schilderung aus dem Libanon:

“Im Libanon ist die Angst vor einem neuen Blutvergießen groß. Das zeigt schon das Straßenbild. Am Dienstagabend um 20.30 Uhr Ortszeit saßen viele Libanesen vor dem Fernseher. Im Fischerstädtchen Tyros im Süden des Landes fassten die Hafenkneipen nicht alle Zuschauer, die wissen wollten, ob der nächste Krieg begonnen habe.”

Und wie verhielt sich die israelische Bevölkerung? Hatte sie keine Angst vor einer kriegerischen Auseinandersetzung? Wollte sie gar eine? Es war Ulrike Putz anscheinend unmöglich zu erfahren, wie Bewohner im Norden Israels den Nachmittag und den Abend verbrachten. Wichtig ist der “Journalistin” die Wiedergabe von Spekulationen:

“Die israelische Führung spielte dem Bericht zufolge am Dienstag zwischenzeitlich mit dem Gedanken, einen vorab gefassten Angriffsplan umzusetzen und Stellungen der libanesischen Armee im Südlibanon zu bombardieren.”

Hatte die libanesische Armee Pläne? Welche? Fragen, die Ulrike Putz gar nicht erst stellt. So bleibt, zusammen mit ihrer Frage, ob israelische Soldaten “wirklich” nur einen Baum fällen wollten, der Eindruck, Israel sei gerade noch rechtzeitig wovon auch immer abgebracht worden:

“Nur internationaler Druck und ein Aufschrei der libanesischen Regierung habe Jerusalem davon abgehalten, mit aller Macht auf den Grenzzwischenfall zu reagieren.”

Daß dieser “internationale Druck”, sofern er Israel trifft, eine Zumutung ist, stellt er doch Aggressor und Angegriffenen auf eine Stufe, macht die Antwort auf Ulrike Putz’ zweite “offene” Frage deutlich. Die UNIFIL hat sie in seltener Klarheit längst beantwortet: Das Feuer eröffneten unprovoziert libanesische Soldaten, die IDF reagierten auf diesen Angriff:

“The IDF soldiers involved in Tuesday’s deadly clashes with Lebanese forces were standing in Israeli territory when they were fired upon, a UNIFIL representative reportedly said Tuesday night.”

Spätestens mit dieser Klarstellung der Vereinten Nationen wird auch deutlich, auf welcher Seite der Grenze die Kriegshetzer residieren. Der libanesische Präsident Michel Suleiman rief zu den Waffen, das Land gegen den gar nicht stattgefundenen Angriffe des zionistischen Feinds zu verteidigen.

“Suleiman vowed to ‘stand up to Israel’s violation of Resolution 1701, whatever the sacrifices are.’”

Und in das Kriegsgeschrei des syrischen Lakaien mischte sich jenes seines Herren, seines formellen syrischen Amtskollegen Bashar Assad.

“Syrian President Bashar Assad told his Lebanese counterpart Michel Suleiman that Syria stands by Lebanon and is willing to provide it with any necessary aid, al-Jazeera reported.”

Im Libanon hatte derweil Hassan Nasrallah, Anführer der Hisbollah, einen Auftritt, den Ulrike Putz so schildert:

“Knapp zwei Stunden lang redete Nasrallah. Er verdammte die ‘israelische Aggression’. Drohte, beim nächsten Zwischenfall an der Grenze werde seine Miliz der libanesischen Armee in ihrem Kampf gegen den Feind beistehen. Die Wortwahl war martialisch: ‘Die israelische Hand, die nach der libanesischen Armee greift, wird abgehackt.’”

Aber während solcherlei Kriegsgetrommel in Israel nicht zu hören war, solche bewußte Verdrehung der Realität, kommt Ulrike Putz nur diese Frage in den Sinn: “Wollten israelische Soldaten wirklich nur einen Baum fällen?” Und das ist, gerade angesichts der tatsächlichen Umstände, eben eher Vorwurf denn wirkliche Frage.

Wo also keine Fragen mehr offen sind, fordert Ulrike Putz Aufklärung, wo Fragen hingegen sich aufdrängen, will sie sie gar nicht erst stellen. Das kann Journalismus nur nennen, wem das Ressentiment den klaren Blick auf die Realität nimmt.

“National-religiöse Bewegung”

Avigdor Lieberman, der israelische Außenminister, den SPIEGEL online diesmal als einen “ultrarechte[n] Politiker” vorstellt, hat ein paar Gedanken sich gemacht über Gaza, die – anders als vor wenigen Wochen veröffentlichte Überlegungen – auch das Online-Portal des deutschen Nachrichtenmagazins wahrnimmt:

“Es wäre eine radikale Abkehr von der Gaza-Politik Israels: Avigdor Lieberman, der ultrarechte Außenminister des Landes, möchte die Verantwortung für das Palästinensergebiet formell an die Hamas abtreten. Schutztruppen auch aus Europa sollen dann die Grenze überwachen.”

Die Gedanken Avigdor Liebermans sind folgerichtig, bedenkt man, daß selbst seine angeblich “besten Freunde” von Israel mittlerweile verlangen, auf sein Recht auf (und die Pflicht zur) Selbstverteidigung gegen Angriffe aus Gaza nicht nur zu verzichten, sondern seine Grenzen nach Hamastan zu öffnen und die Raketenabschußrampe der islamischen Terroristen möglichst rund um die Uhr zu versorgen.

Doch halt – die Hamas soll eine “Terrororganisation” sein?! Da muß SPIEGEL online vehement widersprechen:

“Israel boykottiert die national-religiöse Bewegung, die Hunderttausende von Mitgliedern und Sympathisanten hat.”

Die SPIEGEL online-Autoren scheinen doch reichlich kompetent zu sein. Wer anders als ausgewiesene Kenner käme sonst darauf, “the FM also supports any international plan for the mass-construction of apartments for Gaza’s residents” so zu übersetzen:

“Auch den massenhaften Neubau von Siedlungen in dem Palästinensergebiet unterstützt Lieberman demnach.”

Vor einer “national-religiösen Bewegung” immerhin sollte freilich EUropa keine Angst haben und also bereitwillig “Schutztruppen” stellen können …

Dirk Niebel, im Kabinett der amtierenden deutschen Kanzlerin Angela Merkel Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, ist, wie SPIEGEL online erfreut mitteilt, wohl etwas verärgert und “legt sich mit Israel an”.

“Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel sorgt für einen diplomatischen Eklat – er legt sich mit der israelischen Regierung an. ‘Die Einreiseverweigerung für den deutschen Entwicklungshilfeminister in den Gaza-Streifen ist ein großer außenpolitischer Fehler der israelischen Regierung’, sagte der FDP-Politiker der ‘Leipziger Volkszeitung’.”

In Gaza wollte der Minister, dem nicht zuletzt SPIEGEL online wegen eines Aufenthalts in einem Kibbuz in seiner Jugendzeit “eine ganz persönliche Agenda” nachsagt, “ein Klärwerk besichtigen, das mit deutschem Entwicklungshilfe-Geld finanziert wird” – angeblich gibt es freilich gar kein Baumaterial in Gaza -, und sich mit Vertretern der UNRWA treffen, dem zivilen Arm der Hamas in Gaza.

“‘Ich hätte mir gewünscht, dass hier ein klares politisches Signal für eine Öffnung und für Transparenz gesetzt worden wäre’, sagte er. ‘Manchmal macht es die israelische Regierung ihren Freunden nicht einfach zu erklären, wieso sie so handelt, wie sie es tut’, fügte er hinzu.”

Die Hamas, die nach einem gewaltsamen Putsch 2007 “regiert”, gilt in Deutschland (noch) als terroristische Organisation, als “Regierung” erkennt Deutschland sie (noch) nicht an. Sie hält den israelischen Soldaten Gilad Shalit, der vor vier Jahren entführt wurde, völkerrechtswidrig in Geiselhaft und nutzt Gaza als Raketenabschußrampe in ihrem erklärten Krieg gegen Israel.

Man wüßte gern, was der deutsche Minister sich angesichts dieser Ausgangslage unter einem “klaren politischen Signal für eine Öffnung” vorstellt. Weshalb verlangt er kein solches Signal von der Hamas? Klagt Dirk Niebel zudem “Transparenz” ein, so muß man fragen, was an der Haltung der israelischen Regierung zu offiziellen Besuchen in Gaza unklar ist.

Seit der Machtübernahme der Hamas in Gaza verweigert Israel ausländischen Regierungsvertretern regelmäßig die Einreise nach Gaza über sein Territorium. Die Hamas, so die nachvollziehbare Begründung, würde durch solche Visiten anerkannt und aufgewertet werden. Hat sich das noch nicht herumgesprochen bis zum deutschen Minister?

“Der Minister – Vize-Präsident der deutsch-israelischen Gesellschaft – kritisiert die Entscheidung der israelischen Regierung scharf. Er sei ‘betrübt, dass es Israel momentan auch seinen treuesten Freunden so schwer macht, ihr Handeln zu verstehen’.”

Nach einer Aktuellen Stunde im Deutschen Bundestag, in deren Verlauf von allen dort vertretenen Parteien Israel wenigstens Unverhältnismäßigkeit vorgehalten wurde, um erst dann eine “unabhängige” Untersuchung seiner Verteidigungsmaßnahmen zu fordern, sollte Dirk Niebel vielleicht sich fragen, ob seine “treuesten Freunde” es Israel nicht recht schwer machen, sie noch zu verstehen.

Doch immerhin: Jener schreckliche Verdacht, Dirk Niebel könne im Nahen Osten andere als deutsche Interessen vertreten, weil er ein Jahr in einem Kibbuz verbrachte, dürfte nun ausgeräumt sein.

Nachtrag I: Jenes Klärwerk, das Dirk Niebel laut SPIEGEL online in Gaza besichtigen wollte, wird in den heute-”Nachrichten” des ZDF im Herrschaftsbereich der korrupten PA um “Palästinenserpräsident” Abu Mazen errichtet.

Nachtrag II: Auch auf der Website seines Ministeriums wird angekündigt, Dirk Niebel wolle bei Nablus – bekanntlich nicht in Gaza gelegen – den Bau eines Klärwerks starten:

“Minister Niebel wird im Rahmen seines Besuchs gemeinsam mit dem palästinensischen Premierminister Fayyad den lange geplanten Bau einer modernen Kläranlage westlich der Stadt Nablus im Westjordanland eröffnen.”

Mutmaßungen

Für SPIEGEL online ist es der “Mossad-Mord an einem Hamas-Führer in Dubai”, der nach der Verhaftung eines “mutmaßlichen [!] Komplizen” in Polen für “ein Gezerre zwischen Polen, Deutschland, Israel und Dubai um seine Auslieferung” sorgt.

Während Israel wie auch andere Staaten sich grundsätzlich der Auslieferung seiner Bürger an das Ausland widersetzt, also auch hier völlig normal reagiert, hat Dubai allerdings gar kein Interesse an einer Auslieferung des Festgenommenen:

“Dubai will not request the extradition of a suspected Mossad spy who might have played a role in the Mabhouh assassination in January, Dubai’s police chief, Lt.-Gen. Dahi Khalfan Tamim, said on Sunday according to a report cited by Channel 10.

‘The suspect committed his crime in Germany, so it is natural that he would be prosecuted there. What is important is that he is punished, not which country punishes him,’ commented Tamim.”

So fällt die schöne SPIEGEL-Ente vom “Mossad-Mord in Dubai” schneller zusammen als sie ausgedacht wurde. In Deutschland gab es so wenig einen Mossad-Mord wie in Dubai.

Allenfalls kann dem Festgenommenen vorgeworfen werden, “im Frühjahr 2009″, also ein Jahr bevor die Hamas einen schweren Verlust erlitt, “einen weiteren mutmaßlichen Mossad-Agenten dabei begleitet [zu haben], einen deutschen Reisepass beim Einwohnermeldeamt Köln zu beantragen”.

Es wurde also ein mutmaßlicher Komplize eines mutmaßlichen Mossad-Agenten, der in Deutschland einen Paß beantragte und bekam, in Polen festgesetzt. Angesichts dieser zweifellos erdrückenden Beweislage ist es gewiß gerechtfertigt, von einem “Mossad-Mord in Dubai” zu fabulieren.

Ulrikes Welt

Ulrike Putz, sie ist für den SPIEGEL in Beirut stationiert, da ihr in Israel eine Gefängnisstrafe droht, hat viel mitzuteilen in diesen Tagen. Und es gibt ja auch viel zu berichten, weil viel geschieht. Seit einigen Tagen etwa macht die Hisbollah im Libanon Schlagzeilen.

Sie soll, so verlangt es beispielsweise die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrats, unter Aufsicht der UNIFIL durch die libanesischen Streitkräfte entwaffnet werden, während die UN-Beobachter selbst dafür sorgen, daß der Waffennachschub für die islamische Terroristenbande aus dem Ausland eingedämmt wird. Beides funktioniert nicht.

“Die von Israel und den USA als Terrororganisation eingestufte Hisbollah besitze inzwischen weit mehr Raketen ‘als die meisten Regierungen auf der Welt’, meinte [US-Verteidigungsminister] Gates. Israels Präsident Shimon Peres hatte Syrien beschuldigt, die in der libanesischen Allparteienregierung vertretene Bewegung mit Scud-Raketen zu versorgen.”

Und selbst wenn man nicht an die Raketen glaubt, so herrscht zwischen Israel und Libanon alles andere als Entspannung. So erklärt der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri, “die Scud-Gerüchte sind nur ein Vorwand, um mein Land anzugreifen”, während die Europäische Union sich vertrauensvoll an “alle Parteien” wendet:

“Die Europäische Union hat inzwischen alle Parteien aufgerufen, ‘jegliche Provokationen zu vermeiden’. Die EU sei durch die jüngsten öffentlich ausgetauschten Erklärungen beunruhigt, hieß es in einer Stellungnahme von EU-Außenministerin Catherine Ashton. Diese Äußerungen würden den Bemühungen der Europäischen Union und ihrer Partner um Förderung des Friedensprozesses im Nahen Osten zuwiderlaufen.”

Entweder will also Israel endlich erledigen, was seit 2006 durch den Libanon und die “internationale Gemeinschaft” unterlassen wurde, oder aber die Hisbollah mit neuen Raketen da weitermachen, wo sie vor vier Jahren gebremst wurde. Doch statt nun der Ursache für die in der Tat gespannte Lage nachzuspüren, schwärmt Ulrike Putz von einer heilen Welt:

“Shakira dröhnt aus den Lautsprechern, am Pool lassen schmerbäuchige Saudis und Kuweitis die gut gepolsterten, nackten Hüften kreisen. Gym-gestählte Libanesen flirten mit den extra angereisten Ausländern. Ab und zu verschwindet ein Paar in Richtung Strand. ‘Ich muss sagen, die Araber heißen uns mit großer Herzlichkeit willkommen’, sagt ein aus den USA eingeflogener Partygast grinsend.

Die ausgelassene schwule Party ist ein kleines Wunder: Ob in Kairo oder Bagdad, Dubai oder Teheran – nirgendwo sonst in der islamischen Welt wäre eine so öffentliche Veranstaltung für Homosexuelle möglich. Nur im traditionell toleranten Libanon gibt es eine Nische, in der Schwule und Lesben wenigstens in Ansätzen offen lieben und leben können.”

In Judäa und Samaria, wo die PA des korrupten “Palästinenserpräsidenten” Abu Mazen herrscht, werden derweil Terroristen als Vorbilder geehrt, denen es nachzueifern gelte, und dazu ergänzend unter Bruch früherer Vereinbarungen mit Israel eine schlicht antisemitische Wirtschaftspolitik exekutiert, die sich nicht zuletzt gegen “Palästinenser” richtet:

“What was initiated in Ramallah, though, is particularly outrageous. It’s also designed to keep local Arabs from working in the settlements on the pain of five-years imprisonment and hefty fines. The first to suffer would be Fayyad’s own population.

Fayyad should be reminded by our government that his new pet project directly violates the economic annex of the original Oslo Accord. Known as the ‘Paris Agreement,’ the April 29, 1994, Annex IV of the Gaza-Jericho Agreement (or ‘Protocol on Economic Relations’) specifically forbids what Fayyad has launched.”

Auch hier herrscht also alles andere als Entspannung, vielmehr ist es der (bisherigen) Zurückhaltung der israelischen Regierung zu verdanken, daß eine Konfrontation ausblieb. Für die Zukunft kann eine solche indes nicht ausgeschlossen werden, ganz zurecht fragt die Jerusalem Post, ob das “Povokationsverbot” der PA nur für Israel gelten soll.

Was macht Ulrike Putz? Sieht sie nach Terroristen benannte Plätze und Schulen in Ramallah? Denkt sie darüber nach, welche Botschaft die öffentliche Verehrung solcher Vorbilder transportiert? Sie feiert den Antisemiten und Terroristenverehrer Saalam Fayad, der – gewiß nicht seiner Friedfertigkeit wegen – als ein Nachfolger Abu Mazens gehandelt wird.

“Solche Aktionen, die von Mahatma Gandhi erdacht sein könnten, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Da der bewaffnete Widerstand gegen die Besatzung ebenso gescheitert ist wie die Friedensverhandlungen, erscheinen friedliche, aber nachdrückliche Proteste vielen Palästinensern als einziger Weg, ihrer Stimme Gehör zu verleihen. Die bislang ‘Weiße Intifada’ genannte Bewegung wird nun zunehmend ‘Fajad-Intifada’ genannt – den Namenspatron dürfte das freuen, seine Konkurrenz beunruhigen.”

Alles ist gut und friedlich in Ulrikes Welt. Nur – ist Ulrikes Welt tatsächlich die wirkliche?

SPIEGEL online übersieht einen Boykott

Weil Benjamin Netanjahu nicht am vom US-Präsidenten Barack Hussein Obama veranstalteten “Atomgipfel” teilnimmt, sondern seinen Stellvertreter und Minister für Atomenergie und Sicherheit Dan Meridor nach Washington schickte, klagte SPIEGEL online gar bitterlich, “Israel boykottiert Abrüstungs-Gipfel”.

Vergeblich suchten wir bis heute die Überschrift “Großbritannien boykottiert Abrüstungs-Gipfel”, nimmt doch Gordon Brown, britischer Premierminister, ebenfalls nicht an Barack Hussein Obamas “Atomgipfel” teil und schickte nur seinen Außenminister David Miliband.

Hat SPIEGEL online diesen Boykott des “Atomgipfels” nicht bemerkt oder nicht bemerken wollen?

SPIEGEL online schwächelt ein wenig: “Netanjahu meidet Obamas Atomgipfel”. Müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen, daß dem deutschen Nachrichtenmagazin das Feindbild kein Feindbild mehr ist?

Natürlich nicht – SPIEGEL online kann es, unterstützt allerdings durch Al-Reuters, doch noch: “Atomwaffen: Israel boykottiert Abrüstungs-Gipfel”, den der Veranstalter ausgerechnet am israelischen Holocaust-Gedenktag stattfinden läßt.

Der “Boykott” sieht tatsächlich so aus: Israel schickt mit Dan Meridor nun ‘nur’ den u.a. für Atomenergie zuständigen Minister zum “Atomgipfel”.

Damit wird dieser Gipfel, sollte man meinen, inhaltlich tatsächlich enorm aufgewertet. Aber derlei fiele einem SPIEGEL online-Autor wohl nie ein.

Siehe auch: Obama Administration Denies Visas to Israeli Nuclear Scientists

Sie ist wirklich schlimm, die berüchtigte “Zensur” in Israel. Da staunt gestern noch SPIEGEL online darüber, daß “[d]ie israelischen Streitkräfte [..] Einsätze der eigenen Truppen im Westjordanland kritisiert” haben, um heute Ulrike Putz aus dem sicheren Beirut erklären zu lassen:

“Wer redet, dem droht Gefängnis. Die Nachrichtensperre betrifft die einheimischen Medien genauso wie in Israel stationierte Korrespondenten ausländischer Blätter.”

Ulrike Putz springt aber doch auf den Zug auf und riskiert, mutig, mutig, Gefängnis, sofern sie mal wieder aus Tel Aviv schreiben will. Den Zug freilich ins Rollen brachten von der “Zensur” zweifellos zutiefst eingeschüchterte israelische Journalisten:

“Dass der Fall nun doch publik geworden ist, ist einigen couragierten israelischen Journalisten zu verdanken. Sie wollten sich nicht mit dem Maulkorb abfinden und steckten im Ausland lebenden Kollegen, was sie über den Fall wussten.”

Doch nicht nur das:

“Die auflagenstärkste Tageszeitung ‘Jedioth Ahronoth’ wehrte sich am Sonntag auf ihre Weise: ‘Die ganze Welt berichtet über das, was der israelische Geheimdienst zu vertuschen versucht’, titelte die Zeitung und druckte eine Liste der ausländischen Medien ab, in denen sich die Leser informieren können. [..]

‘Haaretz’ und der Sender Kanal 10 haben die Nachrichtensperre angefochten, Gerichtstermin ist der 12. April.”

Und je näher der Termin rückt, desto überflüssiger scheint er:

“Israel’s defense establishment had at last decided to withdraw its support of a months-long blanket gag order on a security-related affair, Haaretz learned Wednesday, with the names of those involved in the case and the charges leveled against them to be possibly released as soon as Thursday.”

Ulrike Putz kommt nicht nur reichlich spät, sie muß wohl auch nicht mit Gefängnis rechnen, mit dem sie oben doch noch kokettierte. Und sofern israelische Behörden versucht haben sollten, was auch immer zu vertuschen, so ist gewiß: Es ist ihnen nicht gelungen.

Die israelische Justiz – sie verfolgt mit gutem Grund eine ehemalige Armeeangehörige, die 2.000 geheime Dokumente entwendete – funktioniert, die israelische Demokratie hat sich bewährt – ganz ohne Ulrike Putz’ Eingreifen (oder das etwa ihrer deutschen öffentlich-rechtlichen Kollegen).

Das war aber auch nicht anders zu erwarten.

Deutsche Wünsche

In ihrem 1991 erschienenen Band Israels’s Secret Wars beschreiben Ian Black und Benny Morris die Bedeutung(en) des Begriffs Yishuf so:

“Yishuf: literally ‘settlement’, but more generally used for the Jewish community in Palestine” (p. 532)

Tom Segev hat ihn in One Palestine, Complete, das 2000 erstmals im Vereinigten Königreich erschien, so definiert:

“The term has its roots in ancient sources of Hebrew language, and one of its meanings, according to Eliezer Ben-Yehuda’s dictionary, is ‘a small number of Jews living in non-Jewish villages.’ Yishuv, which literally means ‘settlement,’ is also the opposite of ‘wasteland’ and of ‘destruction.’ The word was used, consciously or not, to indicate that the Jews were living in a wilderness devoid of human beings, that is, Arabs.”

In der deutschen Ausgabe, Es war einmal ein Palästina, wird deutlich, weshalb der Autor, Tom Segev, bei deutschen “Israelkritikern” so beliebt ist. Hier wird der letzte Satz nämlich so übersetzt:

“Das Wort wurde, bewusst oder unbewusst, benutzt, um auszudrücken, dass die Juden in einer menschenleeren Wildnis lebten – Araber zählten demnach nicht zur menschlichen Gattung.” (München 2005, S. 25)

Empirische Belege für diese durchaus kühne These, die beispielsweise Ian Black und Benny Morris eben nicht stützen, bleibt Tom Segev schuldig, was seine Anhänger aber nicht stören dürfte.

Und so schafft der “israelische Historiker und Publizist” es auch in den aktuellen SPIEGEL, um der Leserschaft auf Seite 79 zu erklären, weshalb die israelische Regierung ungefähr alles falsch macht, was sie falsch machen kann:

“SPIEGEL: Versteht er [Benjamin Netanjahu] nicht, dass er die Position der USA im gesamten Nahen Osten schwächt, wenn er nicht zu Konzessionen an die Palästinenser bereit ist?

Segev: Netanjahu weiß sehr wohl, dass Washington in seinem Konflikt mit Iran neuerdings Israel als strategische Belastung empfindet. Die USA werden wohl alles tun, damit das Regime in Teheran nicht in den Besitz einer Atombombe kommt. Aber nur wenn Israel dramatische Konzessionen an die Palästinenser macht, werden die USA in der arabischen Welt jenen Rückhalt finden, den sie für diese Politik brauchen.”

Ist schon die Frage kaum mehr als eine Zumutung zu entschuldigen, deutet sie doch an, daß etwa die Taliban nur deshalb reichlich gewalttätig sind, weil die Stadtverwaltung von Jerusalem in Wohnungsbaufragen souverän entscheidet, ist die Antwort nur noch dumm.

Israel, verlangt Tom Segev, müsse mit “dramatischen Konzessionen” die “Palästinenser”, die es gegenwärtig als ein Gesprächspartner gar nicht gibt, gnädig stimmen, worauf dann die “arabische Welt” ganz glücklich würde.

Und dann könnte Washington, das angeblich zwar will, aber eben wegen Benjamin Netanjahu derzeit nicht kann, sich mit der notwendigen Härte der iranischen Bombe widmen und Israel vor den Mullahs retten.

Begeht Israel nicht freiwillig Selbstmord – denn darauf liefen “dramatische Konzessionen” gewiß hinaus -, wird es eben von den Mullahs und deren Helfershelfern ausgelöscht. So oder so: Israel ist selbst schuld und dem Untergang geweiht.

Angesichts solch schlichter Gedanken, die neben vielem anderen beispielsweise ausblenden, daß “Palästinenser” den Einsatz einer iranischen Atom-Bombe wohl auch kaum überleben würden, kann man eigentlich nur noch Mitleid empfinden mit Tom Segev.

Vom SPIEGEL so vorgeführt zu werden, nein, das hat niemand verdient.

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